Direkt zum Seiteninhalt springen

Debating Trump 2.0 and implications for Africa - „Wir sind hier alle Trumpisten“: Warum die Wahl des neuen US-Präsidenten im Sahel begrüßt wird

Megatrends Spotlight 47, 02.04.2025

Der Sieg der Republikaner bei der jüngsten US-Wahl wird im Sahel gefeiert. Viele sehen Präsident Donald Trump dort als „Anti-Imperialisten“, „Friedensstifter“ und „Verfechter traditioneller Werte“. Diese Wahrnehmungen werden von lokalen neo-souveränistischen Narrativen geprägt. 

Weder in Donald Trumps Wahlkämpfen, noch während seiner ersten Amtszeit spielte Afrika eine bedeutende Rolle. Als US-Präsident besuchte Trump nicht ein einziges Mal den Kontinent und empfing in seiner ersten Regierungszeit nur zwei afrikanische Präsidenten im Weißen Haus. Dafür betrafen die von Trump durchgesetzten verschärften Einreisebedingungen für Staatsbürger*innen aus muslimisch geprägten Nationen auch viele afrikanische Länder wie Tschad, Mali oder Nigeria. Für Furore auf dem Kontinent sorgten darüber hinaus auch Trumps abfällige, rassistisch konnotierte Bemerkungen über afrikanische Staaten, die er im Zuge von Diskussionen über eine restriktivere Migrationspolitik der USA äußerte.

Trotz alledem ist Trump in Westafrikas Sahelregion beliebt. Wie ein Aktivist aus der Zivilgesellschaft mir kürzlich bestätigte: „Wir sind hier alle Trumpisten.“ Denn für viele in der Region steht er vor allem für eines: den Respekt der nationalen Souveränität afrikanischer Staaten. Basierend auf einer Analyse von Debatten in sozialen Netzwerken und lokalen Medien in Niger, Burkina Faso und Mali sowie Interviews mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und Mitgliedern der Militärregierung in Niger lassen sich drei ineinandergreifende lokale Narrative ausmachen, die diese Wahrnehmung prägen.

Trump als „Anti-Imperialist“

Viele Menschen in Mali, Burkina Faso und Niger begrüßen zunächst die „America-First“ Politik der neuen US-Regierung, in der sie eine ideologische Nähe zu der nationalistisch-souveränistischen Agenda der eigenen Militärregierungen sehen. Trumps Isolationismus und die Aufkündigung internationaler Bündnisse erachten sie als Abkehr von einer westlichen Außenpolitik, die sie als interventionistisch und neokolonial verurteilen. Trump wird dabei als Partner eingestuft, der sich entgegen seines Vorgängers Joe Biden sowie vieler europäischer Regierungen nicht in die inneren Angelegenheiten afrikanischer Staaten einmische. Denn genau das werfen sowohl die Militärregime als auch große Teile der Bevölkerung im Sahel westlichen Staaten vor, die im Anschluss an die Putschwelle in der Region Kooperationsprogramme pausiert und auf eine schnelle Rückkehr zu einer demokratischen Ordnung gedrängt hatten. 

Zwar hatte die US-amerikanische Administration auch unter Biden – entgegen der EU – einen pragmatischen Ansatz im Umgang mit den neuen Machthabern im Sahel gewählt, nicht zuletzt, um eigene Sicherheitsinteressen in der Region weiterzuverfolgen. Doch blieb das Verhältnis zwischen den USA und den Putschisten angespannt. In Niger, wo die USA seit 2019 eine Drohnenbasis betrieb, versuchten die USA die Militärjunta zur Vorlage eines Transitionsfahrplans zu bewegen, um die Militärpartnerschaft nach anfänglicher Suspendierung wieder aufnehmen und den Verbleib von über 1000 Soldat*innen im Land gewährleisten zu können. Doch die Bemühungen waren vergeblich. Nigers neue Machthaber warfen einer US-Delegation bei einem Treffen in Niamey im März 2024 herablassendes Verhalten in den Verhandlungen vor und ordneten den Abzug des US-Militärs an.

Unter Trump, so nun die Vorstellung vieler im Sahel, könne hingegen mit den USA ähnlich wie mit Russland eine für beide Seiten profitable, transaktionale Partnerschaft etabliert werden. Diese, so die Hoffnung, werde nicht an politische Konditionalitäten gebunden, die den neuen soziopolitischen Realitäten im Sahel widersprächen. Trumps radikale Kürzung von Auslandshilfen, die auch von den Putschregierungen als Hindernis einer „endogenen“ Entwicklungsagenda gesehen werden, bewerten viele trotz der verheerenden Folgen für die Bevölkerung als Beweis dafür, dass Trump für eine gerechte Neuordnung der Beziehungen zwischen dem Westen und dem globalen Süden steht. Denn Auslandshilfen, so das Argument, schwächten staatliche Eigenverantwortung und bildeten einen Nährboden für Korruption und persönlichen Profit.

Trump als „Friedensstifter“

Zur Popularität von Trump im Sahel trägt auch das Narrativ von seiner Rolle als globaler Friedensstifter bei. Viele begrüßen dabei zunächst seine Distanz zum Verteidigungsbündnis der NATO, deren militärische Intervention in Libyen im Jahr 2011 zur „Balkanisierung“ des Sahels geführt habe. Gemeint ist das Auseinanderbrechen regionaler Sicherheitsarrangements infolge des Sturzes des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar Gaddafi, das ein Wideraufleben aufständischer, separatistischer Kräfte sowie die Ausbreitung dschihadistischer Gruppen im Sahel begünstigt hatte. 

Aber auch Trumps populistische Rhetorik, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine rasch zu beenden, hat im Sahel den Glauben geweckt, dass sich unter seiner zweiten Amtszeit auch die Sicherheitslage im Sahel verbessern würde. Denn viele befürchten, dass andauernde geopolitische Rivalitäten und der Kampf um globale Einflusszonen zwischen dem Westen und Russland die Konflikte in der Region weiter anheizen könnten. Berichte über die Unterstützung malischer Separatistengruppen durch die Ukraine haben diese Sorge befeuert. Sowohl die Armee, als auch die russische Söldnergruppe Wagner hatten im Kampf um die nordmalische Stadt Tinzaouaten im Juli 2024 schwere Verluste erlitten. 

Auch die Anfang Februar 2025 von US-Kongressmitglied Scott Perry getroffene Aussage, amerikanische Steuergelder seien zur Finanzierung der im Sahel aktiven Terrorgruppe Boko Haram verwendet worden, sehen viele als Zeichen dafür, dass die USA unter Trump einen Kurswechsel anstrebten, der zur Beilegung der Konflikte in Region beitragen würde. Denn die Behauptung knüpft an einen seit langem im Sahel verbreiteten Verschwörungsmythos an, nachdem dschihadistische Gewalt auf gezielte Destabilisierungsversuche des Westens zurückzuführen sei. Auch die Militärregime im Sahel bedienen sich dieser Argumentation, um ihre Machtübernahmen zu legitimieren. So behauptete beispielsweise der burkinische Putschistenführer Ibrahim Traoré in seiner Rede an die Nation im Dezember 2023, der dortige Terrorismus sei der „Höhepunkt des Imperialismus und Neokolonialismus.“ Perrys Aussagen bewerten nun viele Menschen im Sahel als Beweis für den Wahrheitsgehalt ihrer Interpretation. Selbst Malis Militärjunta reagierte prompt mit einem Communiqué, das sich den Anschuldigungen anschließt und rechtliche Schritte einfordert. 

Trump als „Verfechter traditioneller Werte“

Eine weitere Argumentationslinie zugunsten von Trump im Sahel preist den neuen US-Präsidenten zu guter Letzt als Verfechter traditioneller Werte. Insbesondere Trumps Wahlversprechen eines rigorosen Vorgehens gegen Diversitätsprogramme und LGBTQ-Rechte stießen in der Region auf Resonanz. Denn auch die Militärregime haben sich diese Agenda auf die Fahnen geschrieben. Kurz nach ihrer Machtübernahme, im Oktober 2023, proklamierten Nigers neue Machthaber beispielsweise, entschiedene Maßnahmen gegen „subversive Versuche“ einer „ausländischen Macht“ unternehmen zu wollen, deren Ziel es sei, LGBTQ-Rechte in Niger zu stärken, die den religiösen und kulturellen Werten im Land widersprächen. Auch Burkina Fasos Junta kündigte im Juli 2024 ein Verbot homosexueller Handlungen an, in Mali trat ein entsprechender Gesetzestext im Dezember desselben Jahres in Kraft. 

Gegenstimmen

Auch wenn neo-souveränistische Narrative im Sahel den Diskurs über die neue US-Administration dominieren, sind bei weitem nicht alle in der Region Trumpisten. Angesichts der stark eingeschränkten Meinungsfreiheit sind abweichende Ansichten in der öffentlichen Debatte jedoch selten. Zwei Ausnahmen lassen sich beobachten. Zum einen haben insbesondere lokale humanitäre Akteure vor den desaströsen Folgen der Kürzung der US-Auslandshilfen für die von multiplen Krisen betroffene Bevölkerung im Sahel gewarnt, auch wenn sie dafür von Anhänger*innen der Militärregime als imperialistische Agent*innen und Verräter*innen verurteilt wurden. Zum anderen bewerteten selbst regimetreue Stimmen Trumps im Februar 2025 geäußerten Pläne, den Gazastreifen in eine „mediterrane Riviera“ verwandeln zu wollen, als „verrückt“.

Inwiefern die Euphorie über die Wahl von Trump im Sahel anhalten wird, ist mehr als fraglich. Wunschvorstellungen können von politischen Realitäten eingeholt und überholt werden. Dies ist im Sahel schon jetzt in Bezug auf das neo-souveränistische Trugbild zu erkennen, das die Militärregime in Mali, Burkina Faso und Niger propagieren. Versprechen, die Sicherheitslage und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, haben sich nicht erfüllt. Eine wachsende Unzufriedenheit dürfte demnach auch früher oder später die Wahrnehmung von Trump im Sahel trüben.

Lisa Tschörner ist Wissenschaftlerin bei Megatrends Afrika und Teil der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten der SWP.